The Süddeutsche Zeitung goes even further - since the erection of the monument in 1844 not one single person has fallen off the platform. Today's paper has an editorial mentioning the hair-raising spectacles the Feldherrnhalle has seen, such as the victory celebration of 1871 (Franco-Prussian War), protests against the Versailles Treaty in 1919 (reparations after WW I), Hitler's first takeover attempt in 1923, the Honor Guard commemorating the victims of the failed usurpal, de Gaulle's visit in 1962 and - last but not least - Franz Josef Strauss' 70th birthday in 1985 (what the paper doesn't mention: his funeral procession in 1988). But can it retain its dignity under the measures imposed by the Ministry of Finance? Is the government strong enough to resist the force of reality, i.e. people disregarding the barriers? After all, it gave in to the smokers ...
Bayerische Fallhöhe
Was hat sich an der Feldherrnhalle nicht schon alles abgespielt: Sie war Schauplatz der Siegesfeier von 1871, der Massenproteste gegen den "Versailler Schandfrieden" im Jahr 1919, des misslungenen Hitler-Putsches 1923 und dann unter den Nazis Kultort der braunen Bewegung. Nach dem Zweiten Weltkrieg kam Charles de Gaulle zum Versöhnungsbesuch (1962), und selbst dem Gratulationscour zum Siebzigsten von Franz Josef Strauß (1985) hielt das Bauwerk stand. Seit es im Auftrag von König Ludwig I. von Bayern errichtet und 1844 fertiggestellt wurde, ist aber noch niemand dort abgestürzt.
Das grenzt an ein Wunder, denn die Seitenmauern der nach dem Vorbild der Florentiner "Loggia dei Lanzi" errichteten Halle sind mit einer Oberkante von drei Metern über dem Gehsteig nachweislich "zu hoch". Und die Gefahr ist "zu groß", so Bayerns Finanzstaatssekretär Franz Josef Pschierer (CSU), "dass sich dort jemand verletzt". Hätten sich dort einst Hitler, Göring, Röhm bei ihren gespenstischen Paraden das Genick gebrochen, nun ja. Sonst aber kann man gewiss von großem Glück sprechen, dass es bisher keinen schlimmen Unfall gegeben hat.
Damit das so bleibt, hat das Finanzministerium als Eigentümer der Feldherrnhalle den Zugang mit einer Kette gesperrt. Und München zum Lachen gebracht. Manche meinten schon, die Kette sei nur versehentlich dort anstatt vor der Landesbank angebracht worden, wo die Gefahren eines Absturzes bekanntlich auch nicht zu unterschätzen sind. Wie schon bei anderen Verboten (Rauchen) ruderte die Politik aber wieder zurück: Künftig sollen nur die Seitenflügel gesperrt bleiben. Auf die Treppe darf man wieder. Der Bauherr, seine Majestät, hatte übrigens bewusst viel Platz neben den beiden Feldherren gelassen: "Raum für künftige Große enthält diese Halle." Kein Wunder, dass hier gähnende Leere herrscht. Christian Rost
Source: Süddeutsche Zeitung
N..196, Thursday, 27 August 2009 , page 45